Offener Brief der Teilzeitbeschäftigten des Fanshops des FC St. Pauli

Offener Brief an die Geschäftsführung der Upsolut Merchandising GmbH und Co. KG
24. Februar 2013

Sehr geehrte Geschäftsleitung,
wir, die Teilzeitbeschäftigten des Fanshops des FC St. Pauli am Millerntor wenden uns auf diesem Wege an Sie, weil wir nicht länger bereit sind, die Verschlechterung unserer Arbeitssituation schweigend hinzunehmen.

Als Merchandisingunternehmen schmücken Sie sich mit dem Image des sozialen und alternativen FC St. Pauli und verkaufen einen Lifestyle, an den Sie sich selbst allerdings nicht gebunden fühlen. Denn anders kann man sich nicht erklären, dass Upsolut es mit den arbeitsrechtlichen Bestimmungen und dem sozial verantwortlichen Umgang mit seinen Mitarbeitern nicht so genau nimmt.

Wir Teilzeitkräfte im Fanshop Millerntor versuchen seit Jahren, bei Ihnen Gehör für unsere Belange zu finden – bislang allerdings ohne Erfolg. Die zuständigen Führungskräfte zeigen keinerlei Bemühen, die bemängelten Missstände zu beheben; unsere Vorschläge zur Verbesserung unserer Arbeitssituation werden beharrlich ignoriert.
Noch immer gibt es in Ihrem Unternehmen Beschäftigte, die auch nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit ohne schriftlichen Vertrag arbeiten. Obwohl viele von uns seit Jahren durchschnittlich 80 Stunden im Monat arbeiten, weigern Sie sich nach wie vor, dies vertraglich festzuhalten. Warum die Upsolut Merchandising nicht bereit ist, ein bestimmtes Arbeitspensum für seine Teilzeitkräfte festzuschreiben, wird seit Beginn des neuen Jahres deutlicher denn je: Es sollen uns gegenüber keine Verbindlichkeiten eingegangen werden. Wir stellen die Manövriermasse dar, die ganz nach Belieben eingesetzt werden kann.

Die Anpassung an den Umsatz erfolgt auf unserem Rücken – auf dem Rücken der sogenannten „Aushilfen“, die bislang immer bereitwillig anrückten, wenn sie gebraucht wurden, die aber umgekehrt mit keinerlei Sicherheit zu rechnen haben.

Seit Jahresbeginn hat sich die Situation für uns Teilzeitbeschäftigte insbesondere in den beiden Fanshops auf der Reeperbahn und am Millerntor zugespitzt. Die Öffnungszeiten wurden verkürzt und das Stundenkontingent so drastisch reduziert, dass wir im Durchschnitt auf nur noch 40 bis 50 Arbeitsstunden kommen, einige sogar auf weniger als 40 Stunden im Monat. Auf eine Vorankündigung dieser Maßnahmen wurde uns gegenüber gänzlich verzichtet; der „angepasste“ monatliche Dienstplan erreichte uns am Tage seines Inkrafttretens. Eine Planung des Lebensunterhaltes wird uns somit vollkommen unmöglich gemacht.

Unseren Vorschlag, dem alljährlich wiederkehrenden Problem des Umsatzloches im Frühjahr durch Arbeitszeitkonten zu begegnen, haben die Verantwortlichen bis heute keiner Reaktion gewürdigt.

Auch einige Vorfälle der jüngeren Vergangenheit zeugen von mangelnder Wertschätzung unserer Arbeitsleistung und lassen eine konsistente Personalpolitik vermissen.
So wurde im Frühjahr 2011 fünf unserer KollegInnen gekündigt. Begründet wurde dies mit dem Abstieg in die zweite Bundesliga. Völlig unverständlich erschienen die Kündigungen allerdings vor dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt die Eröffnung des zweiten Fanshops auf der Reeperbahn unmittelbar bevorstand. Dass dadurch zusätzlicher Personalbedarf entstehen würde, dürfte bei diesem Planungsstand durchaus absehbar gewesen sein. Dubios wirkten die Kündigungen nicht zuletzt deshalb, weil sie mit den Vorbereitungen zur Gründung eines Betriebsrates bei der Upsolut Merchandising zusammenfielen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In den darauffolgenden Monaten bewarben sich mehrere Teilzeitbeschäftigte auf intern ausgeschriebene Vollzeitstellen im Fanshop Millerntor – mit ernüchterndem Ergebnis. Nicht eine einzige Teilzeitkraft konnte ihre Stundenzahl erhöhen oder wurde in Vollzeit eingestellt, obwohl es bereits mündliche Zusagen auf die jeweiligen Stellen gab. Nachdem die Vertragsunterzeichnung einige Wochen hinausgezögert wurde, hatte es sich am Ende lediglich um „Missverständnisse“ gehandelt.
Wir Teilzeitkräfte möchten in Ihrem Unternehmen nicht wie Mitarbeiter zweiter Klasse behandelt werden und fordern Sie als Geschäftsführung auf, dem Gleichbehandlungsgrundsatz zu folgen und dafür zu sorgen, dass sich unsere Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.

Dazu gehören für uns zunächst schriftliche Arbeitsverträge, die unser tatsächliches Arbeitsverhältnis abbilden. In diesem Rahmen sollen auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie die gesetzlichen Urlaubsansprüche schriftlich festgehalten werden.

Sofern eine Anpassung des Personaleinsatzes an den Umsatz erfolgen muss, sollten diese Schwankungen durch ein geeignetes Arbeitszeitmodell reguliert werden. Die Einführung eines Arbeitszeitkontos würde es ermöglichen, in umsatzstärkeren Monaten Stunden zu sammeln, um damit umsatzschwächere Monate auszugleichen.

Die Einführung von Sonn- und Feiertagszuschlägen würde endlich honorieren, dass das außergewöhnliche Arbeitsaufkommen an Spieltagen oder Sonderverkaufstagen wie dem Nachtverkauf stets mit großer Einsatzbereitschaft bewältigt wird. Diese lange überfällige Maßnahme müsste selbstverständlich nicht nur für uns Teilzeitkräfte, sondern für alle MitarbeiterInnen gelten. Somit würde auch die Arbeit der Beschäftigten im Fanshop Reeperbahn, der grundsätzlich auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat, angemessen gewürdigt.

Sie als Geschäftsführung sollten unseren Beitrag zum Unternehmenserfolg nicht unterschätzen und dafür Sorge tragen, zufriedene und motivierte MitarbeiterInnen zu beschäftigen. Wir können und wollen unsere derzeitige Situation nicht länger hinnehmen.

Die Teilzeitbeschäftigten des Fanshops Millerntor


6 Antworten auf „Offener Brief der Teilzeitbeschäftigten des Fanshops des FC St. Pauli“


  1. 1 Matthias popp 09. März 2013 um 22:19 Uhr

    Wenn der Pauli Fanshop nicht so arrogant wäre uns auswärtige mit Ware zu beliefern unter 200€warenwert .wären sie wahrscheinlich auch in der Lage Personal gescheit zu bezahlen.aber der fcsp wird leider immer mehr zum komerzverein der nur noch geldgeil ist.nicht mehr der verein den ich mal wegen seiner Einmaligkeit geliebt habe

  2. 2 Bodo Bodeit 10. März 2013 um 0:43 Uhr

    Gemäß Nachweisgesetz, siehe http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/nachwg/gesamt.pdf
    Hat jede/r Arbeitnehmer/in Anspruch auf eine schriftliche Fixierung der Wesentlichen Arbeitsbedingungen. Dies ist einklagbar.

  3. 3 Boris 10. März 2013 um 18:31 Uhr

    ich wünsche euch viel Erfolg!

  4. 4 pete 17. März 2013 um 15:05 Uhr

    Ach Matthias Popp, schade das du gar nichts merkst. Bitte informiere dich doch erst über upsolut merch und das Verhältnis zum FCSP, bevor du hier deine persönlichen Probleme auf den falschen Rücken abarbeitest.

  5. 5 Andreas Joerdens 22. März 2013 um 13:59 Uhr

    hallo.
    Wenn das stimmen sollte , wäre es nötig mit einigen Aktionen die Mitarbeiter bei ihrem Kampf um anständige Bezahlung zu
    unterstützen.
    Boykott / Streik / Bestreiken u.s.w.
    Es ist unwürdig als St.Pauli Fan sich mit so einer Würdelosigkeit
    eines Arbeitgebers zu beschäftigen. Dies verstößt
    auch gegen
    die Ethik des Vereins.Rücktritt und oder Entlassung der
    Verantwortlichen Leute wäre nötig.
    Viele Grüße nicht nur von der FAU
    sondern auch von
    Andreas ( Kelle )

  1. 1 Hicks! » Magischer FC Pingback am 10. März 2013 um 17:45 Uhr
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